Ok.
Meine Untermieterin hat den Schlüssel (mein SCHAATTZZZZZZZ!).
Die Post ist umgeleitet (danke fürs Rechnungen bezahlen, Mami und Papi!).
Die Zeitungs-Abos unterbrochen (hoffentlich funktioniert's auch mal, so zur Abwechslung!).
Die Frist für die nächste Steuererklärung verlängert (iiiikks, mir graut's jetzt schon wieder vor dem Ausfüllen!).
Die Kündigung fürs Monats-GA bereits ausgedruckt und im Couvert (wahrscheinlich vergess ich aber eh, es am letzten Tag abzuschicken).
Auf der Arbeit ist alles geregelt (bitte meinen Lohn pünktlich zahlen, auch wenn ich nicht im Büro bin, gell?).
Wohin ich meinen Laptop und meine persönlichsten Sachen in Sicherheit bringe, steht fest (danke, Lieblingsnachbar!).
Ich bin gegen Gelbfieber und Typhus geimpft (Gott, man könnte ja meinen, ich gehe zu den Yanomami-Indianern in den Urwald!).
Die Sonnencrème ist gekauft (wehe, ich brauch die nicht!).
Die Reiseversicherung ist abgeschlossen (wehe, ich brauch die!).
Das Basic-Português sitzt (danke, www.babbel.com!).
Das Portugiesisch-Wörterbuch zur Vertiefung liegt parat (dammi, ist das Ding schwer!).
Der Lonely Planet auch (jaaaaaaa, ich weiss, voll Klischee, na und?!).
Die Batterie meiner Digi-Cam ist aufgeladen (glaub's).
Und der Rucksack ist… ok, noch leer. Das Packen hebe ich mir als finale Disziplin noch etwas auf.
Aber sonst wäre alles vorbereitet. So vorbereitet, wie es bei mir halt sein kann. Denn eigentlich hasse ich es, Reisen bis ins Detail zu planen. Das macht mich nervös! Ausserdem bin ich auch einfach zu faul dafür. Ich hab's gern spontan. Solange geklärt ist, wo ich nach meiner Ankunft in der Fremde die erste Nacht schlafen kann, bin ich eigentlich zufrieden. Und die liebe Schwiegermama meiner Freundin in Rio ist ja unterrichtet, dass sie mich zwei Monate lang beherbergen darf. Deshalb bin ich schon mal ziemlich beruhigt.
Ziemlich.
Ich hoffe ja nicht, dass ich in Brasilien vier Monate lang darüber nachdenken muss, ob meine Wohnung in Zürich gerade abbrennt. Ob meine Zimmerpflanzen schon tot sind. Ob 2390437902 Zeitungen meinen Briefkasten verstopfen. Ob nicht doch irgendwo eine Rechnung liegen bleibt und ich am Ende noch betrieben werde. Ob mein Arbeitgeber während meiner Abwesenheit entscheidet: ohne die ist's eigentlich eh besser.
Nein, bestimmt nicht. In Brasilien werde ich total abgelenkt sein mit Samba, Capoeira, Caipirinha, Corcovado, Karneval und Fejioada.
Das ist auch in etwa das, was ich von diesem Land schon kenne. Wie gesagt, Vorbereitung ist nicht gerade meine Stärke. Aber schliesslich ist es spannend, wenn man irgendwohin kommt, wo man noch nie war, und einfach alle Eindrücke so ungehindert auf einen einplätschern, ohne dass man schon voreingenommen ist. Und das war eben eine der Bedingungen, als ich mich für diese Auszeit entschied: es musste ein Land sein, in dem ich noch nie war.
Check!
Weitere Bedingungen: Ich will eine Sprache lernen, die ich noch nicht kann.
Check!
Es muss von Dezember bis März warm sein.
Check.
Das Meer muss nah sein.
Check!
Tja, und so kristallisierte sich dann halt irgendwann Brasilien heraus. Und auch wenn ich noch gar keine Ahnung habe, ich konnte mir doch schon ein bisschen ein Bild machen. Denn Tipps und Mahnungen von Kennern habe ich in Hülle und Fülle erhalten (meistens ungefragt):
"Brasilie? Chunnsch mer dänn ja nöd schwanger zrugg!"
Aha, das südamerikanische Land scheint also besonders fruchtbar zu sein!
"Rio? Ui nei, weisch wie gföhrlich! Deet wirsch sicher überfalle und usgraubt!"
Hat man mir vor Indien, Rumänien, Rom und New York auch schon gesagt. Ist aber nix passiert.
"Nimmsch dänn gnueg Imodium mit!"
Ich habe NIE Durchfall. Nur das Gegenteil, wenn ihr's grad wissen wollt.
Ich habe NIE Durchfall. Nur das Gegenteil, wenn ihr's grad wissen wollt.
"Was, du gahsch elei? Was machsch dänn di ganz Ziit?"
Ähm, wohl dasselbe, das ich auch zusammen mit einer Horde anderer tun würde: essen, schlafen, lesen, herumlaufen, an den Strand gehen, feiern, Dinge anschauen, Bus fahren und so. Ausserdem hat Brasilien knapp 200 Millionen Einwohner - der eine oder andere wird sich da wohl schon mal mit mir abgeben.
"Du bringsch dänn sicher en Brasilianer hei!"
"Du bringsch dänn sicher en Brasilianer hei!"
Natürlich. Ich brachte ja auch immer einen Italiener, Griechen, Australier, Inder und Romand nach Hause, wenn ich da war.
"Chasch scho Spanisch?"
Ja. Das wird mir in Brasilien aber nicht viel nützen.
"Nei, du muesch an Foz do Iguaçu, au wenn's mega touristisch isch!"
Oh, pardon! Na dann.
Wie auch immer.
Ich lasse mich überraschen. Es gibt eh kein Zurück mehr. Anfang Dezember geht der Flieger. Meine Untermieterin zieht ein. Auf den nächsten vier Arbeitsplänen komm ich nicht vor. Die Portugiesisch-Schule ist schon bezahlt. Und hier wird's langsam kalt - ich bin bereit zu gehen!