Die gute Nachricht: In Rio sind über 30 Grad und die Sonne strahlt, ätsch!!! Fuck you, Winter in der Schweiz, komm doch und hol mich, wenn du kannst!! :-))
Tja, aber jetzt kommt noch die schlechte Nachricht: meinen ersten Tag an der Portugiesisch-Schule konnte ich nicht wie geplant in Shorts und Träger-Shirt angehen, sondern ich musste mir lange Hosen und einen langärmligen Hoodie überziehen. Ich habe das Wochenende am Strand nämlich etwas übertrieben und mir den grauenhaftesten Sonnenbrand in der Geschichte der Menschheit zugezogen - die Sonnencrème Faktor 50+ nützt halt auch nur, wenn man sie sich ÜBERALL einschmiert. Man sieht jetzt genau, welche Stellen ich ausgelassen habe, und es sind nicht grad wenige. Ein wirklich interessantes Muster, ich sehe ein bisschen aus wie ein Coupe Romanoff, in welchem schon mit dem Löffel rumgerührt wurde. Oder wie einer dieser Glacéstängel Vanille-Erdbeer, die beiden Geschmacksrichtungen fein säuberlich voneinander getrennt. Dazu kommt, dass es nicht nur einfach total scheisse aussieht, sondern mir auch noch höllisch Schmerzen bereitet. Jedes Stückchen Stoff auf meiner Haut fühlt sich an wie ein Bienenstich! Merda, die brasilianische Sonne ist einfach nicht gemacht für kreideweisse Züri-Tussis! Ich war sogar versucht, dieses Bild des Grauens fotografisch festzuhalten, da es an Schrecklichkeit wirklich kaum zu übertreffen ist. Aber ich glaube, ich lasse es, denn es macht mich nur depressiv. Es ist wirklich unglaublich peinlich, wenn man sich in Rio anziehen muss, vor allem als Frau. Nun merkt auch noch der letzte, dass ich keine Carioca bin. Und das Schlimmste: der Strand ist erst mal für ein paar Tage gestorben für mich, caralho!!!! Und Brasilien ohne Strand ist doof. SO!
Übrigens: nein, Mami, ich möchte jetzt keine Kommentare wie "Es ist einfach immer das Gleiche mit dir!" oder "Ich hab dir doch gesagt, du sollst dich recht eincrèmen!" hören. Es tut schon weh genug.
Ansonsten lebe ich hier zwischen zwei Welten.
Wohnen tu ich in einer kleinen Wohnung in einer Favela. Also, grad so wie im Film "Cidade de Deus" ist es nicht, es haben sich bis jetzt noch keine Drogenbanden vor meiner Haustür umgebracht oder mich ausgeraubt. Im Gegenteil, alle sind eigentlich furchtbar nett zueinander. Aber für Zürcher Verhältnisse ist es hier doch ganz schön - anders. Vor allem unglaublich laut, Tag und Nacht. Die Wände sind dünn wie Papier, und wenn draussen in der Bar Musik gespielt wird, dann klingt das, als ob die Band direkt neben meinem Bett stünde. Ausserdem nimmt man das hier mit den Arbeits- und Ruhetagen nicht so genau, weshalb auch mal am Sonntagmorgen eine Mauer im Haus nebenan eingerissen wird. Auf der Strasse stapelt sich der Abfall, und es wimmelt einfach immer überall von Leuten, vor allem in den zahlreichen Kneipen rundherum. Darunter sind viele junge Mädchen, so 15, 16 Jahre alt, alle mit dickem Bauch oder Baby auf dem Arm.
Aber schliesslich wollte ich ja auch das richtige Brasilien sehen, denn die Mehrheit hier in Rio lebt nunmal nicht in einem dieser Riesen-Luxus-Hotels an der Copacabana. Und Mama und Papa (so nenn ich meine Gastgeber jetzt einfach mal, obwohl ich damit vor allem IHR nicht gerade gerecht werde, denn rein altersmässig könnte sie niemals meine Mutter sein, auch wenn sie noch so frühreif gewesen wäre) sind sehr herzlich und machen alles für mich. Gut ist auch, dass sie wirklich nur Portugiesisch können und es ihnen ziemlich egal ist, dass ich sie kaum verstehe. Sie wiederholen alles einfach 10mal in den unterschiedlichsten Variationen, und irgendwann geht´s. So lernt man am schnellsten. Aber ich bin wirklich froh, hab ich mir vor der Abreise noch das wichtigste auf Babbel.com beigebracht, ich wäre sonst nämlich ziemlich aufgeschmissen gewesen!
Brasilianern geht die Familie über alles, und deshalb sind auch immer wieder jede Menge Verwandte zu Besuch, was die sonst schon eher prekären Platzverhältnisse noch zusätzlich einschränkt. Mir ist´s manchmal schon ein bisschen gar zu kuschelig, obwohl wirklich alle sehr nett sind. Am liebsten mag ich die kleine Enkelin, ich glaube, sie liebt mich auch schon heiss, jedenfalls klebt sie dauernd an mir wie ein Kaugummi an der Schuhsohle. Und natürlich ist mir auch der Familienhund Nina, ein nervöser, weisser Pudel, schon ans Herz gewachsen. Heute kam ich nach Hause und das Pack mit den Lindorkugeln (ein Mitbringsel aus der Schweiz) war aufgerissen und die Schokolade allesamt auf meinem Bett verteilt, so dass das Laken jetzt aussieht wie vollge.......n - Nina war´s wohl langweilig. Aber ich frage mich wirklich, wie der Hund das geschafft hat, die Kugeln so feinsäuberlich auszupacken.
Brasilianern geht die Familie über alles, und deshalb sind auch immer wieder jede Menge Verwandte zu Besuch, was die sonst schon eher prekären Platzverhältnisse noch zusätzlich einschränkt. Mir ist´s manchmal schon ein bisschen gar zu kuschelig, obwohl wirklich alle sehr nett sind. Am liebsten mag ich die kleine Enkelin, ich glaube, sie liebt mich auch schon heiss, jedenfalls klebt sie dauernd an mir wie ein Kaugummi an der Schuhsohle. Und natürlich ist mir auch der Familienhund Nina, ein nervöser, weisser Pudel, schon ans Herz gewachsen. Heute kam ich nach Hause und das Pack mit den Lindorkugeln (ein Mitbringsel aus der Schweiz) war aufgerissen und die Schokolade allesamt auf meinem Bett verteilt, so dass das Laken jetzt aussieht wie vollge.......n - Nina war´s wohl langweilig. Aber ich frage mich wirklich, wie der Hund das geschafft hat, die Kugeln so feinsäuberlich auszupacken.
Mit wenig Platz, wenig Komfort, kaputten Armaturen, Lärm und einer eher dreckigen Nachbarschaft kann ich gut leben. Die Leute können sich von mir aus auch direkt neben mir erschiessen. Aber was wirklich gar nicht geht, unter gar keinen Umständen ist KALTES WASSER BEIM DUSCHEN!!!!!!!!!!! Unmöglich, ich werde es NIEMALS können, nicht bei 30 Grad Lufttemperatur, auch nicht bei 50 und schon gar nicht in der Wüste! Deshalb müssen mir Mama und Papa jetzt jeweils in der Mikrowelle und auf dem Herd ein paar Töpfe Wasser erhitzen. Das kommt dann in einen Kübel, und wie zu Gotthelfs Zeiten schütte ich mir den dann in der Dusche über den Kopf.
In die Schule gehe ich im schicken Ipanema, unweit des Strandes. Die Fahrt mit dem Bus dort hin dauert gut eine Stunde. Der Weg wäre eigentlich gar nicht so lang, dafür sind es die Autokolonnen. Und stehen muss man im Bus leider auch immer, der ist am Morgen so vollgestopft mit Pendlern, da ist der Drogenshuttle im Kreis 4 zu Stosszeiten ein Paradies dagegen. Und ich wundere mich, wie es die Brasilianer schaffen, in dieser Sardinenbüchse ohne Air Condition nicht zu schwitzen. Mir läuft das Wasser hingegen aus allen Poren. Und ich habe auch noch nicht verstanden, wie man sich am besten festhält, denn wenn der Bus in halsbrecherischem Tempo (wenn er denn mal freie Fahrt hat) die engen Kurven nimmt, schleudert es mich jedes Mal fast zum Fenster raus. Apropos Fenster: wenigstens die Aussicht ist schön, der Bus erklimmt einen Hügel und man sieht auf ganz Rio hinunter. Und die letzte Etappe führt direkt am Strand entlang.
Aber egal, Ipanema ist sehr hübsch und die Schule ganz lustig. Wir sind sechs Schülerinnen und Schüler im Anfängerkurs, ich bin die einzige Schweizerin, dazu gibt´s Schweden, Australier, Japaner und Norweger. Das Klassenzimmer ist ganz einfach eingerichtet, es hat nur eine Wandtafel, irgendwelche superduper Power-Point-Präsentationen und High-Tech-Sprachlabore wie bei uns darf man nicht erwarten. Dafür hat´s gratis Filter-Kaffee, was viel wert ist. Und man kann neben Sprache büffeln auch Samba tanzen, Film kucken und Fussball spielen und so. Muito legal!
Ausserdem zahlt sich auch hier wieder das Babbel.com aus: ich kann schon deutlich mehr als die anderen in meiner Klasse, Streeeeeeeebbbeeerrrin! :-)
So, ich muss wieder ins Dunkle und mich auskurieren. Oh Gott, ich fühle mich wie eine Leuchtpetarde im Spiel FCZ gegen Basel....



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